Abschluss des ERC-geförderten INFRAGLOB-Projekts

Die aktuelle Ausgabe von News from the Institute of African Studies at the University of Bayreuth (NAB), dem Jahresbericht des Instituts für Afrikastudien (IAS), enthält einen Beitrag zum Abschluss des Projekts Africa’s Infrastructure Globalities (INFRAGLOB) (2018 bis 2025). Das vom European Research Council (ERC) geförderte Projekt wurde von Prof. Dr. Jana Hönke am Lehrstuhl für Soziologie in Afrika der Universität Bayreuth geleitet.
Das INFRAGLOB-Projekt untersuchte, wie chinesische und brasilianische Infrastrukturprojekte in AfrikaGovernance verändern. Dabei standen unterschiedliche Unternehmenspraktiken, lokale Auseinandersetzungen und die Neugestaltung von Süd-Süd-Beziehungen im Mittelpunkt. Auf Grundlage umfangreicher Feldforschung in verschiedenen afrikanischen Kontexten untersuchten die Forschenden, wie Governance-Modelle weitergegeben, angepasst und in lokale Praktiken eingebettet werden und wie konflikthafte Interaktionen das Verhalten von Unternehmen vor Ort prägen.
Von chinesischem Bergbau in Guinea und Hafenbau in Kenia bis hin zu brasilianischen Rohstoffprojekten in Mosambik zeigen die Ergebnisse von INFRAGLOB, dass es keine einheitlichen „chinesischen“ oder „brasilianischen“ Modelle gibt. Stattdessen wird ein komplexes Geflecht unterschiedlicher Praktiken sichtbar, das von internationalen Standards, afrikanischen Regulierungen und lokalen politischen Interessen beeinflusst wird. Das Projekt liefert damit neue Einblicke in die Frage, wie Fachkräfte aus dem Globalen Süden innerhalb transnationaler Praxisgemeinschaften Expertise, Identität und Macht aushandeln.
Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist der Open-Access-Sammelband Africa’s Global Infrastructures (Hurst/Oxford University Press, 2024). Hinzu kommen zahlreiche Fachartikel, unter anderem in African Affairs, Global Society, Mobilities, The Extractive Industries and Society und World Development. Die Ergebnisse des Projekts wurden auf internationalen Konferenzen sowie bei Buchvorstellungen in Peking und Shanghai präsentiert und dort mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Praktikerinnen und Praktikern aus dem Globalen Süden diskutiert.
Indem INFRAGLOB zeigt, wie neue Akteure, Fachkräfte und lokale Gemeinschaften globale Governance „von unten“ mitgestalten, trägt das Projekt zu einem differenzierteren Verständnis fragmentierter und pluraler Globalitäten in einer zunehmend polyzentrischen Weltordnung bei.