Logo Universität Bayreuth
Springe zum InhaltZum Footer springen
Logo Universität Bayreuth

Verlängerung des regionalen Netzwerks „Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung“

Freitag, 19.12.2025, 11:00
Team Bayreuth Foto

Das Bayreuther BZeFK-Team bei der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) 2025 (von links nach rechts): Julia Eichenberg, Jana Hönke, Florian Kühn und Jan Sändig (Foto: BZeFK).

Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das interdisziplinäre Netzwerk „Bayerisches Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung“ bis 2028 weiter. Das Netzwerk verbindet die Universität Bayreuth, die Universität Augsburg und das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) München–Berlin und arbeitet mit weiteren regionalen Partnern wie der Bayerischen Wissenschaftsallianz für Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsforschung (FoKS) zusammen. Im Mittelpunkt stehen Dynamiken politischen Wandels und ihre Bedeutung für Frieden und Konflikt sowie die weitere Vernetzung der Friedens- und Konfliktforschung in der Region.

Das 2022 gegründete „Bayerische Zentrum für Friedens- und Konfliktforschung: Konflikte.Bedeutungen.Transitionen“ (BZeFK) erhält vom BMFTR weitere 925.000 Euro für die zweijährige Förderphase von 2026 bis 2028. Das an der Universität Bayreuth koordinierte Netzwerk untersucht, wie gesellschaftliche Auseinandersetzungen um die Deutung von Vergangenheit und Gegenwart in Zeiten des Wandels geführt werden und wie dadurch Zukunft gestaltet wird. Ein besonderes Anliegen ist es, die regionale und interdisziplinäre Zusammenarbeit in der Friedens- und Konfliktforschung weiter auszubauen. Dafür verbindet das BZeFK Ansätze aus Soziologie, Geschichtswissenschaft, Internationalen Beziehungen und Politikwissenschaft.

Wie solche Deutungskonflikte verlaufen und welche Folgen sie für Frieden und Gewalt haben, untersucht das Netzwerk anhand aktueller Fallstudien. Dazu gehören etwa Auseinandersetzungen um die Position der Ukraine, den Klimawandel, den Umgang mit sexualisierter Gewalt sowie die Verantwortung von Rüstungsunternehmen für Gewalt, die mit ihren Waffen ausgeübt wird. Zugleich werden gegenwärtige Konflikte historisch eingeordnet, beispielsweise durch die Untersuchung des Zerfalls der Sowjetunion und seiner Folgen für die europäische Friedensordnung.

„Damit leistet das Forschungsnetzwerk einen wichtigen Beitrag zu internationalen wissenschaftlichen Debatten und gibt zugleich Impulse für gesellschaftliche und politische Beratung in Zeiten schnellen Wandels. Möglich wird dies durch eine engere regionale und interdisziplinäre Zusammenarbeit“, sagt Prof. Dr. Jana Hönke, Projektleiterin des BZeFK und Inhaberin des Lehrstuhls für Soziologie in Afrika an der Universität Bayreuth.

Deutungskonflikte und ihre Auswirkungen auf politischen Wandel

Das BZeFK wird vom BMFTR mit dem Ziel gefördert, die Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland zu stärken und weiterzuentwickeln. Dabei stehen Interdisziplinarität, methodische Vielfalt und der Wissenstransfer in Politik und Gesellschaft im Vordergrund. Im Netzwerk arbeiten Forschende aus Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Internationalen Beziehungen, Soziologie und Friedensforschung zusammen.

In der ersten Förderphase von 2022 bis 2026, koordiniert von PD Dr. Florian Kühn (Universitäten Bayreuth und Göteborg) und Dr. Jan Sändig (Universität Bayreuth), entwickelten die Forschenden des BZeFK einen neuen Ansatz zur Untersuchung von Deutungskonflikten. Dieser rekonstruiert, wie solche Auseinandersetzungen verlaufen, analysiert ihr Verhältnis zu Gewalt und reflektiert zugleich die eigene Positionierung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Im Zentrum steht eine praxeologische Perspektive, die Handlungen nicht isoliert betrachtet, sondern Deutungskonflikte in ihren zeitlichen und ideellen Kontext einordnet. Die Forschung des Netzwerks zeigt, dass solche Konflikte nicht zwangsläufig in Gewalt münden. Häufig führen sie vielmehr zu Formen regulierter Konfliktbearbeitung, die mit unterschiedlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit verbunden sind und politisch ausgehandelt werden müssen.

In der neuen Förderphase koordiniert das Bayreuther Team das Netzwerk weiterhin und ist mit drei Teilprojekten beteiligt. Prof. Dr. Jana Hönke und Dr. Jan Sändig untersuchen in einem Projekt zu Auseinandersetzungen um den Klimawandel die Rolle ugandischer Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten und ihren Einfluss auf die transnationale Zivilgesellschaft sowie auf internationale klimapolitische Debatten. Ein weiteres Teilprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. Jana Hönke und PD Dr. Julia Eichenberg beschäftigt sich mit Debatten über die Verantwortung von Rüstungsunternehmen für Gewalt, die mit ihren Waffen verübt wird. PD Dr. Florian P. Kühn vertieft zudem seine Forschung zur Bedeutung von Ambiguität in politischen Konflikten am Beispiel der uneindeutigen Positionierung der Ukraine zwischen Europa und Russland.

Regionale und interdisziplinäre Strukturen der Friedens- und Konfliktforschung stärken

Das BZeFK trägt zur regionalen Vernetzung und zum institutionellen Ausbau der Friedens- und Konfliktforschung in Bayern und darüber hinaus bei. Die Forschenden des Netzwerks sind zugleich Fellows der Bayerischen Wissenschaftsallianz für Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsforschung (FoKS). Die Universität Bayreuth gehört zu den Gründungsmitgliedern der Allianz und ist weiterhin in ihrem Lenkungskreis vertreten. Die vom Bayerischen Wissenschaftsministerium geförderte Allianz unterstützt unter anderem Wissenstransfer und Politikberatung, organisiert Vernetzungsveranstaltungen und stärkt die Lehre.

Die Bayreuther Mitglieder des BZeFK engagieren sich außerdem im „UBT Peace and Conflict Research Network“, das seit Ende 2022 Forschende der Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Bayreuth in einem gemeinsamen Forschungsschwerpunkt zusammenbringt. Zum Netzwerk gehören die Veranstaltungsreihe „Bayreuther Friedensgespräche“, Aktivitäten des Wissenstransfers, Workshops für Forschende in frühen Karrierephasen sowie Angebote zur Unterstützung der Lehre. Darüber hinaus koordiniert es Forschungsprojekte in Bayreuth, die sich beispielsweise mit grenzüberschreitenden Dynamiken von Gewalt und Friedensförderung beschäftigen.

Auf diese Weise werden die lokalen Strukturen der Friedens- und Konfliktforschung weiter gestärkt. Gleichzeitig können Erkenntnisse und Impulse aus dem BZeFK stärker in politische Beratung und öffentliche Debatten einfließen.