Die Praxis des Forschens
Methoden sind kein gegebenes Regelwerk, sondern ein fluides Wissen über das systematische Entwickeln wissenschaftlicher Erkenntnis. Methoden verändern sich mit der Gesellschaft, weil neue Fragen, soziale Probleme und technische Möglichkeiten aufkommen. Sie sind deshalb zum einen ein nützliches und komplexes Werkzeug der Forschung, dessen Fortentwicklung und Ausdifferenzierung ein wichtiges Anliegen der Methoden-Forschung darstellt. Zum anderen bilden Methoden und die Praxis des wissenschaftlichen Forschens einen spannenden Gegenstand für sozial- und kulturwissenschaftliche Forschung: Wissenssoziologisch interessieren das explizite und implizite Wissen des Forschens, wissens- und wissenschaftshistorisch ist die Herausbildung einer sozialwissenschaftlichen Haltung im Fokus, die Praxis des sozialwissenschaftlichen Handelns sowie die Dynamiken und Charakteristika des Wissenschaftssystems sind Gegenstand der empirischen Wissenschaftsforschung.
Zwei Phänomene des sozialwissenschaftlichen Forschens stehen im Zentrum des Projekts zur Praxis des Forschens: Zum einen wird das ethnografische Schreiben fokussiert, das in seinen vielfältigen Formen den gesamten Forschungsprozess durchzieht. Zum anderen werden Gutachten für Manuskripte aus der qualitativen Forschung untersucht. Methodisch stehen Textanalyse und reflexive Ethnografie im Vordergrund.