Die Vermittlung transkulturellen Wissens im Modus nonverbaler Kommunikation
Im Zuge der körpersoziologischen Wende bekommt die alte Frage nach der impliziten Dimension des Wissens (Polanyi) neue Virulenz, die nicht zuletzt für das Lehren und Lernen von zentraler Bedeutung ist. Vieles lässt sich nicht mit Worten vermitteln, einiges auch nicht mit modernen Kommunikationstechnologien, die primär auf visueller Kommunikation aufbauen. Wie funktioniert also nonverbale Wissensvermittlung? Das in der Didaktik verbreitete Problem, die richtigen Worte zu finden, lässt sich bis zu einem gewissen Grad auf andere Kommunikationskanäle verschieben. Wissen wird nicht nur auf verbalem, sondern auch visuellem, technischem und somatischem Wege kommuniziert.
Dieses Forschungsprojekt baut auf einer videogestützten ethnografischen Studie zur Vermittlung einer Kampfkunst auf. Sie beschreibt die Vermittlung des schweigsamen Wissens im Kampfkunsttraining, aber auch, wie im Zuge dieser Vermittlung die Praktik selbst transformiert und in einen neuen kulturellen Zusammenhang gebracht wird. Methodisch beschäftigte sich die Studie insbesondere mit den spezifischen Möglichkeiten des Einsatzes von Videoaufnahmen im Rahmen der teilnehmenden Beobachtung.